Der MC-Teil ist die eigentliche Hürde
In Einführung in die Rechtswissenschaften (ReWi, LV 4033) und in Grundlagen des Zivilrechts (GLZR, LV 4034) an der WU Wien steht vor dem offenen Teil ein Multiple-Choice-Teil. Er entscheidet, ob der offene Teil überhaupt gelesen wird. Diese Seite erklärt die Mechanik und das Training.
Wie funktioniert der Multiple-Choice-Teil an der WU?
Jede Frage besteht aus einer Einleitung und fünf Aussagen. Mindestens eine dieser Aussagen ist richtig, es können aber auch zwei, drei, vier oder alle fünf richtig sein. Damit ist die Aufgabenstellung eine andere, als der Begriff „Multiple Choice“ vermuten lässt. Es wird nicht die beste unter fünf Alternativen gesucht. Jede der fünf Aussagen ist für sich als wahr oder falsch zu beurteilen, so als stünde sie allein auf dem Bogen. Fünf Aussagen bedeuten also fünf Einzelentscheidungen und nicht eine Auswahl. Genau daraus folgt, warum Raten nicht trägt: Es gibt keine Alternative, die sich durch Ausschluss der übrigen gewinnen ließe, und keine Verteilungsregel, aus der sich schließen ließe, wie viele Aussagen richtig sein müssen. In ReWi umfasst der MC-Teil rund 20 bis 25 solcher Fragen bei 90 Minuten Prüfungszeit für die gesamte Prüfung. In GLZR steht der MC-Teil neben einem offenen Teil mit Schwerpunkt auf der Falllösung nach Anspruchsgrundlagen.
- Fünf Aussagen je Frage. Keine davon steht in Konkurrenz zu einer anderen. Sie werden einzeln beurteilt.
- Mindestens eine ist richtig. Das ist die einzige Information, die man vorab hat. Ein Bogen ohne Kreuz ist immer falsch.
- Alle fünf können richtig sein. Wer aus Gewohnheit nur zwei ankreuzt, weil „vier wäre zu viel“, entscheidet nach Gefühl statt nach Stoff.
- Kein Ausschlussverfahren. Aus der Falschheit einer Aussage folgt nichts über die übrigen vier.
Was passiert, wenn man im MC-Teil unter 50 % bleibt?
In ReWi wird der offene Teil dann nicht korrigiert. Das ist die Besonderheit, die den MC-Teil zur eigentlichen Hürde macht. Wer im MC-Teil unter 50 % bleibt, hat die Prüfung negativ, unabhängig davon, wie gut die beiden Bögen zum Öffentlichen Recht und zum Privatrecht ausgefallen sind. Sie werden schlicht nicht angesehen. Positiv ist die Prüfung nur, wenn in beiden Teilen mindestens 50 % erreicht sind. Diese Konstruktion hat eine praktische Folge für die Vorbereitung: Zeit, die ausschließlich in die Falllösung fließt, ist verloren, wenn der MC-Teil darunter leidet. Umgekehrt reicht ein sicherer MC-Teil allein nicht, weil der offene Teil dieselbe Grenze hat. Beide Teile brauchen ihren eigenen Anteil an der Vorbereitung. Studierende berichten für ReWi Durchfallquoten von 60 bis 80 %. Diese Zahl stammt aus studentischen Berichten und ist keine amtliche Statistik der WU. Sie sagt nichts über den einzelnen Antritt aus, macht aber deutlich, dass der MC-Teil kein Vorspiel ist.
Für GLZR ist im Folgenden nur festgehalten, dass ein MC-Teil und ein offener Teil nebeneinanderstehen. Ob dort dieselbe Sperre gilt, ist dem aktuellen Syllabus auf Learn@WU zu entnehmen.
Woran scheitern MC-Antworten am häufigsten?
An vier Stellen, die mit dem Stoff wenig zu tun haben. Erstens an Quantoren. Wörter wie „immer“, „nie“, „ausschließlich“ oder „in jedem Fall“ verschieben eine im Kern richtige Aussage ins Falsche, weil sie die Ausnahme abschneiden, die das Gesetz vorsieht. Zweitens an verwechselbaren Rechtsinstituten. Gewährleistung und Schadenersatz, Erfüllungsgehilfe und Besorgungsgehilfe, Anfechtung und Nichtigkeit liegen nahe beieinander und werden in Aussagen gern vertauscht. Drittens an Fristen und Zahlen, die auswendig gewusst sein wollen und sich nicht herleiten lassen. Viertens am Zeitdruck: Wer bei Frage 18 merkt, dass zwölf Minuten übrig sind, kreuzt den Rest nach Gefühl an und verliert dort mehr, als er vorher gewonnen hat. Gegen alle vier hilft dasselbe: jede Aussage einzeln lesen, den Quantor markieren und erst danach entscheiden. Wer eine Aussage nicht beurteilen kann, geht weiter und kommt am Ende zurück, statt bei ihr stehen zu bleiben. Der Rest der Fragen ist mehr wert als die eine, die gerade nicht aufgeht.
Wie trainiert man MC-Fragen sinnvoll?
Aussage für Aussage und mit Begründung. Wer eine Frage beantwortet und danach nur die Anzahl der Treffer ansieht, lernt nichts über die Aussagen, die er falsch beurteilt hat. Sinnvoll ist der umgekehrte Weg: zu jeder der fünf Aussagen in einem halben Satz notieren, warum sie wahr oder falsch ist, und dabei die Norm nennen, aus der sich das ergibt. Erst danach wird aufgelöst. Falsch beurteilte Aussagen kommen auf eine eigene Liste und werden nach einigen Tagen erneut vorgelegt, weil ein einmal berichtigter Irrtum nicht berichtigt bleibt. Dazu kommt Training unter Zeit. Eine Frage darf im Schnitt nur so lange dauern, wie das Zeitbudget der Prüfung hergibt, und dieses Gefühl entsteht nur, wenn die Uhr mitläuft. Zuletzt hilft es, in Runden von zehn bis fünfzehn Fragen zu arbeiten statt in einzelnen Fragen zwischendurch. Eine Runde bildet die Belastung ab, unter der die letzten Fragen eines Bogens beantwortet werden, und genau dort fallen die meisten Punkte.
- Jede Aussage einzeln begründen. Ein halber Satz je Aussage, mit Norm. Ohne Begründung ist eine richtige Antwort nicht von einem Glückstreffer zu unterscheiden.
- Erst danach auflösen. Wer die Lösung nebenbei liest, prüft sein Wiedererkennen und nicht sein Wissen.
- Falsche Aussagen sammeln. Nach einigen Tagen erneut vorlegen. Der zweite Durchgang entscheidet, ob etwas hängen geblieben ist.
- Mit Uhr arbeiten. Das Zeitgefühl für eine Frage lässt sich nicht ohne Zeitdruck aufbauen.
- In Runden üben. Zehn bis fünfzehn Fragen am Stück bilden die Belastung der Prüfung besser ab als drei Fragen in der Straßenbahn.
Warum bringt es wenig, Altfragen auswendig zu lernen?
Weil die Frage sich ändert und die Aussage bleibt. Eine auswendig gelernte Antwort hängt am Wortlaut, den sie einmal hatte. Wird derselbe Gedanke im nächsten Termin mit einem anderen Quantor, in umgekehrter Richtung oder mit einem getauschten Beteiligten formuliert, kippt die Beurteilung, während die Erinnerung dieselbe bleibt. Wer die Aussage wiedererkennt, kreuzt so an wie beim letzten Mal und liegt falsch. Dazu kommt, dass im Umlauf befindliche Altfragen aus Gedächtnisprotokollen stammen. Sie geben den Wortlaut nicht zuverlässig wieder, und die mitgelieferte Lösung hat niemand geprüft. Eine falsch erinnerte Aussage mit falscher Lösung wird durch Wiederholung nicht besser. Tragfähig ist nur, was die Aussage begründet: die Norm, die Ausnahme und der Grund für die Ausnahme. Wer das hat, beantwortet auch eine Formulierung, die er noch nie gesehen hat. Auswendiglernen zahlt sich beim MC-Teil nur dort aus, wo es nichts herzuleiten gibt: bei Fristen, Zahlen und Begriffsdefinitionen.
Was bietet Juscool zum MC-Teil?
Ein Multiple-Choice-Training mit derselben Mechanik wie in der Prüfung: fünf Aussagen je Frage, jede einzeln zu beurteilen, alle fünf können richtig sein. Zu jeder Aussage kommt nach der Auflösung eine Begründung mit der Norm, aus der sie folgt. Die Fragen sind eigene Formulierungen und keine abgetippten Prüfungsfragen. Es gibt drei Niveaus, damit der Einstieg in der STEOP nicht dieselbe Schärfe hat wie die Vorbereitung auf GLZR. Falsch beurteilte Aussagen wandern in den Wiederholungsplan und kommen von selbst zurück. Je Niveau ist eine Runde ohne Zahlung zugänglich, ein Konto kostet nichts. Für den vollen Zugang gibt es den 14-Days Pass um 6,99 € und den 30-Days Pass um 9,99 €, beide als Einmalzahlung ohne Abo. Wie der MC-Teil in den Rest der Prüfung passt, steht auf den Seiten zu ReWi und GLZR. Wer nach Prüfungsbögen zum Herunterladen sucht, findet unter Altklausuren die Antwort darauf, warum es die hier nicht gibt.
ReWi an der WU
Einführung in die Rechtswissenschaften: Aufbau, MC-Teil und offener Teil, Anmeldung und Stoff in der STEOP.
GLZR an der WU
Grundlagen des Zivilrechts: was „Falllösung nach Anspruchsgrundlagen“ im offenen Teil konkret verlangt.
Altklausuren — was hilft
Warum hier keine Prüfungsbögen liegen, wo Originalunterlagen zu finden sind und was aus alten Klausuren verwertbar bleibt.
Quellen und Stand
- Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB), geltende Fassung im RIS. Gesetzestexte sind nach § 7 UrhG frei.
- Institut für Zivil- und Zivilverfahrensrecht der WU Wien, wu.ac.at/zivilrecht — die amtliche Stelle für Prüfungsstoff und Prüfungsmodus.
- Die Angaben zu Fragenzahl, Prüfungszeit und 50-%-Grenze beschreiben den Modus, wie er für ReWi bekannt ist. Die genannten Durchfallquoten von 60 bis 80 % sind studentische Berichterstattung und keine amtliche Statistik.
- Prüfungsstoff und Prüfungsmodus richten sich nach dem jeweils aktuellen Syllabus auf Learn@WU. Maßgeblich ist immer dieser, nicht diese Seite.
Zuletzt geprüft: 6. September 2026 Lern- und Trainingsangebot. Keine Rechtsberatung. Juscool ist kein Angebot der WU Wien.